Vorschau 2010
Prof. Dr. Adrian Paschke
ist Leiter der Arbeitsgruppe Corporate Semantic Web an der Freien Universität Berlin
Fokus: Corporate Semantic Web
Im Projekt Corporate Semantic Web werden insbesondere die Themen Ontologie-Modellierung, Kollaboration im Corporate Semantic Web und semantische Suche mit Fokus auf das Unternehmensumfeld betrachtet. Dabei werden Demonstratoren sowohl für grundlegende Problemstellungen wie die Entwicklung und Evolution einer Ontologie als auch für konkrete Anwendungsszenarien wie eine semantische Suche in einem Themenportal entwickelt.
Ein Anwendungsszenario ist beispielsweise das Verwenden von semantischen Technologien bei der Suche des Museumsportal Berlin, dem offiziellen Portal aller Berliner Museen mit Informationen über Sammlungen, Ausstellungen, Führungen und Service-Angebote von rund 200 Kultureinrichtungen.
Im Moment bietet das Museumsportal Berlin den Nutzern eine einfache Schlagwortsuche an, um Informationen zu bestimmten Ausstellungen oder Veranstaltungen zu finden. Der Hauptnachteil einer Schlagwortsuche liegt in der syntaktischen Suche des Suchwortes; insbesondere werden in dem Portal Schreibfehler, alternative Schreibweisen und Aliase, Synonyme sowie Homonyme bei der Suche nicht berücksichtigt. Darüber hinaus "versteht" die derzeitige Suchmaschine die Suchworte nicht und kann keine Beziehungen zu verwandten oder in Beziehung stehenden Begriffen herstellen, zum Beispiel bei der Suche "Impressionismus" auch konkrete Vertreter dieser Stilrichtung berücksichtigen. Zusätzliche Kriterien wie Öffnungszeiten der Einrichtungen können bei der Suche nicht angegeben werden. Anstelle dessen muss der Suchende zu jedem Treffen die Detailseite aufrufen und die dortigen Informationen auswerten.
Die beschriebenen Probleme sind vor allem darauf zurückzuführen, dass die Informationen unstrukturiert in Textform vorliegen und für den Konsumenten Mensch ausgelegt sind. In der entwickelten Anwendung werden die Daten des Portals mittels zweier Ontologien repräsentiert: Museum Description Ontology und Arts Domain Ontology. Während die erste Konzepte zum Beschreiben von kulturellen Einrichtungen, Veranstaltungen und Ausstellungen beinhaltet, beschreibt die zweite die Kunstdomäne.
Mit dem Einbeziehen des Hintergrundwissens bei der Verarbeitung von Suchanfragen werden die Einschränkungen der einfachen Schlagwortsuche überwunden. Zum Beispiel werden Synonyme wie Impressionismus und impressionistische Kunst oder alternative Schreibweisen wie Sandro Botticelli und Il Botticello berücksichtigt. Dieses Verfahren, die Anfrage um weitere Worte zu ergänzen, wird als Anfrageerweiterung (query expansion) bezeichnet. Das Ranking der Ergebnisse wurde so gestaltet, dass die zuerst die exakten und danach die durch die Anfrageerweiterung entstandene Treffer angezeigt werden. Neben der Anfrageerweiterung sind durch die strukturierte Verwaltung der Daten über eine facettierte Anzeige auch komplexere Anfragen möglich, die beispielsweise Öffnungszeiten oder Eintrittsgelder berücksichtigen.
Prof. Dr. Adrian
Paschke
Freien Universität Berlin
AG Corporate Semantic Web an
der Freien Universität Berlin





